Eine Suchanfrage, ein Videoabend, Musik auf dem Smartphone oder eine Frage an eine KI – digitaler Alltag wirkt unsichtbar. Strom braucht er trotzdem: zuhause für Router, Fernseher und Endgeräte, unterwegs für Mobilfunknetze und im Hintergrund für Rechenzentren. Wer die größten Hebel kennt, kann seinen Verbrauch gezielt senken.
Warum verbraucht das Internet überhaupt Strom?
Jede Anfrage durchläuft Netze, Server und Rechenzentren; anschließend zeigt ein Endgerät das Ergebnis an. Strom benötigen dabei Endgeräte wie Smartphone, Laptop oder Fernseher, Router und WLAN im Haushalt, Mobilfunk- und Festnetze sowie Rechenzentren, die Inhalte speichern und ausliefern.
Im persönlichen Haushalt ist oft nicht die Serveranfrage der größte Faktor, sondern das Gerät, auf dem Inhalte genutzt werden.
Router und Smart Home: Der stille Dauerläufer
Ein typischer Heimrouter verbraucht je nach Modell 5 bis 20 Watt – rund um die Uhr. Über das Jahr macht das 44 bis 175 Kilowattstunden. Dazu kommen Smart-Home-Geräte: Sprachassistenten, vernetzte Kameras oder smarte Steckdosen ziehen auch im Standby dauerhaft Strom. Wer sein WLAN nachts nicht braucht, kann den Router per Zeitschaltuhr abschalten. Das spart Strom ohne Komfortverlust.
Streaming und Gaming: Wo der Unterschied liegt
Beim Streaming zählt vor allem das Abspielgerät. Wer sich täglich eine Stunde Serien anschaut, verbraucht mit einem Fernseher etwa 50 Kilowattstunden pro Jahr – beim Streaming auf Smartphone oder Tablet sind es laut Verivox dagegen nur rund 4 Kilowattstunden. Wie viel ein Fernseher konkret verbraucht, lässt sich direkt am Gerät ablesen: Das EU-Energielabel gibt den Verbrauch für 1.000 Betriebsstunden in kWh an. Ein effizienter 55-Zoll-Fernseher kommt dabei auf rund 55 kWh, ein großes 77-Zoll-Gerät bei HDR-Wiedergabe kann deutlich darüber liegen. Die Auflösung macht dabei einen spürbaren Unterschied: 4K verbraucht etwa 20 bis 25 Prozent mehr als Full HD.
Gaming ist ein anderer Fall: Während beim Streaming hauptsächlich Abspielgerät und Datenübertragung Strom ziehen, arbeiten beim Zocken Grafikkarte und Prozessor unter Volllast. Ein Gaming-PC kann 200 bis 400 Watt verbrauchen – ein Vielfaches gegenüber Konsole oder Smartphone.
Für Lieblingsmusik, Podcasts oder Serien lohnt es sich, Inhalte herunterzuladen statt sie mehrfach neu zu streamen.
KI: Die Masse macht den Unterschied
Google veröffentlichte für eine mittlere Textanfrage an Gemini einen Verbrauch von 0,24 Wattstunden. Das entspricht nach Unternehmensangaben ungefähr neun Sekunden Fernsehen.
Die Herausforderung entsteht durch die Masse: KI steckt zunehmend in Suchmaschinen, Bürosoftware und Bildbearbeitung. Milliarden Anfragen summieren sich – ebenso wie die Rechenleistung für Training und Betrieb großer Modelle.
Rechenzentren: Wachsender Energiehunger
Rechenzentren speichern Daten, liefern Filme und Musik aus und stellen Rechenleistung für Cloud- und KI-Dienste bereit. Rechenzentren verbrauchten 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom – etwa 1,5 Prozent des globalen Strombedarfs. Die IEA erwartet bis 2030 eine Verdopplung auf rund 945 Terawattstunden, was dann etwa drei Prozent der weltweiten Stromnachfrage entspräche – ungefähr so viel wie Japan heute verbraucht. Haupttreiber dieses Wachstums ist KI.
Die zentrale Aufgabe lautet: Digitalisierung effizienter machen, Rechenzentren mit erneuerbarem Strom versorgen und Netze ausbauen.
Was verbrauchen Apps auf dem Smartphone?
Auch auf dem Smartphone lässt sich Strom sparen. In den Akku-Einstellungen sehen Sie, welche Apps besonders häufig aktiv sind und viel Energie benötigen. Bei Android finden Sie diese Übersicht in der Regel unter „Einstellungen > Akku“, bei iPhones unter „Einstellungen > Batterie“. Hintergrundaktualisierungen, Push-Benachrichtigungen und dauerhaft aktivierte Ortungsdienste können den Akku zusätzlich belasten.
Fünf einfache Tipps
Streaming-Auflösung anpassen: HD reicht auf vielen kleineren Bildschirmen aus.
WLAN nutzen: Stabiles WLAN ist meist effizienter als dauerhafte Mobilfunkübertragung.
Inhalte herunterladen: Häufig genutzte Musik oder Serienfolgen müssen nicht immer neu gestreamt werden.
Router bewusst einstellen: Zeitschaltuhr, Energiesparoptionen und ein aktuelles Gerät helfen spürbar.
Geräte lange nutzen: Ein langlebiges, energieeffizientes Endgerät ist meist nachhaltiger als häufiger Neukauf.
Digitaler Stromverbrauch: Die Hebel kennen
Relevant wird der digitale Energiebedarf dort, wo sich Anwendungen weltweit milliardenfach wiederholen und wo Streaming, Cloud und KI immer leistungsfähigere Rechenzentren benötigen. Wer die eigenen Hebel kennt, kann gezielt handeln, ohne auf digitale Angebote zu verzichten.
Mehr zu Energielösungen der SVO finden Sie auf der Seite Nachhaltige Lösungen.
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